Donnerstag, 16. Juli 2015

9 Dinge, die ich beim nächsten Mal Kanada anders machen werde

                                                           Hallo ihr Lieben,
hier sitze ich nun - seit 247 Tagen verliebe ich mich Tag für Tag in Kanadas Menschen und Mentalitäten. Wenn ich heute auf den Anfang meiner Reise zurückblicke stelle ich fest, wie erschreckend blauäugig ich meinen Auslandsaufenthalt angegangen bin. Da ich jedem sowohl Kanada als auch einen Auslandsaufenthalt nur wärmstens ans Herz legen kann, versuche ich hier auf Wunsch einiger Leser meine Weisheit weiterzugeben. Fällt euch noch mehr ein? Ich freue mich über weitere Inspiration!

1.) Ein Auto kaufen
Fragt mich nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin das zweitgrößte Land der Welt ohne Auto zu erkunden. Vermutlich dachte ich mir nur, dass ich mir das Geld spare - doch hätte ich zu Beginn ein Auto gekauft wäre ich vermutlich trotz Benzinkosten, Versicherungs- und Anschaffungskosten günstiger oder beim selben Preis weggekommen als immer wieder einen Bus zu buchen. Greyhound fahren ist nicht so schlimm wie erwartet - wobei die Geschichte von dem Typen, dem vor ein paar Jahren der Kopf im Bus abgehackt wurde, doch immer in meinem Kopf herumgegeistert ist - aber ein Auto gibt dir eine Flexibilität, die gerade auf dem Weg durch die Rockies von unglaublichem Wert ist. Im  Bus sitzend konnte man nur sehnsüchtig auf die kristallblauen Seen starren, an denen man gerne einfach mal ein paar tiefe Atemzüge lang gehalten hätte. Wirklich schlafen war im greyhound auch nicht drin, für ihren verhältnismäßig günstigen Preis halten diese Busse nun mal auch alle halbe Stunde und auch in der Nacht gehen alle Lichter an, Leute steigen aus und ein und Mal für Mal hofft man auf einen geruchslosen Sitznachbarn unter 200 Kilo.
Außerdem kann man sich mit dem Parken und Übernachten auf Walmart Parkplätzen ordentlich Geld sparen. Die Hostel Kosten in Städten wie Vancouver oder Kelowna, welche man sich nicht entgehen lassen sollte!, sind gerade im Sommer unfassbar hoch. Da zahlt man schon mal schnell 45 Dollar für ein stickiges, überhitztes Zimmer vollgestopft mit 6 schwitzenden Menschen.
Darüber hinaus hab ich auch das Schleppen von meinem Rucksack unterschätzt: Bei 35 Grad, praller Sonne und überfülltem öffentlichen Verkehr hab ich meinen nicht-Autokauf einige Male zutiefst bereut.
Benzinkosten sind hier sehr günstig (vor Allem natürlich in Alberta, wo ich im November ungläubig Benzinkosten von 70 Cent angestarrt habe) und Anschaffungskosten für ein Auto kann man mit vernünftiger Recherche locker unter 2000 Dollar halten - und wird es unfallfrei wieder für einen ähnlichen Preis los. Dabei unbedingt bedenken: Es ist viel (!!!!) einfacher ein Auto in derselben Provinz zu verkaufen, in der ihr es auch gekauft und versichert lassen habt!
Also: traut euch! Versicherungen und Bürokratiekram in Kanada (Achtung: ich spreche hier nur aus Erfahrung in BC und Alberta) sind halb so schlimm wie in Deutschland, die Kanadier sind sehr, sehr geduldige Autofahrer (naja, nehmen wir Vancouver downtown von dieser Verallgemeinerung aus) und wir Deutschen sind dank unseres intensiven Fahrtrainings vor'm Führerschein überdurchschnittlich gut ausgebildet. Hier in Kanada muss man nicht einmal Fahrstunden nehmen, um seinen Führerschein zu bestehen. Ab auf Kanadas Highway!

2.) Essen im Dollarstore einkaufen
Dollarstores retten einem in Kanada schnell mal das Reisebudget. Mir ist die Essensabteilung in Dollarstores wie Dollarama und Dollartree leider erst viel zu spät aufgefallen. Grundnahrungsmittel kosten hier rund ein Drittel von dem, was ihr in den überteuerten Supermärkten bezahlen würdet. Das Essen hat dabei ganz normale Qualität, allerdings würde ich penibel auf das Ablaufdatum achten. Da das Essen meist in naher Zukunft abläuft muss es entweder direkt verzehrt werden oder (bei Möglichkeit) eben eingefroren werden. Frohes Geldsparen und guten Appetit.

3.) Greyhound Busse 14 Tage im Voraus buchen

Solltet ihr euch gegen ein Auto entscheiden und Kanada tapfer mit dem greyhound erkunden, kann ich nur empfehlen im Voraus zu planen. Das erfordert selbstverständlich einiges an Zeit, die in Planung investiert wird, lohnt sich aber, da die greyhound Busse rund 30% günstiger sind, wenn ihr sie 10-14 Tage im Voraus bucht. Außerdem: IMMER über Internet buchen und nicht vor Ort, damit spart ihr nochmal eine ganze Stange Geld. Dazu gibt es auch noch eine sogenannte "Companion-Fare"; wenn ihr also mit mehr als 2 Leuten (je mehr desto günstiger) gemeinsam reist immer unbedingt zusammen über Internet buchen. Und um ehrlich zu sein - alleine würd ich eine Strecke wie Calgary -Vancouver auch nicht mehr auf mich nehmen...

4.) Airbnb statt Hostels nutzen
In Punkt eins habe ich bereits die horrenden Hostel Preise angesprochen. Couchsurfing ist da natürlich die kommunikativste, günstigste und lustigste Variante, aber gerade in der Sommerzeit sind schnell mal alle Couches vergeben. Airbnb ist häufig nicht nur günstiger als Hostels, sondern auch sauberer und leiser. Hinzu kommen (sicherlich nicht immer) herzliche und offene Gastgeber mit genauster Kenntnis über die Umgebung, die ihr gerade bereist. In Kelowna sind wir so zu einem Pärchen gekommen, das direkt am Strand gewohnt hat, wir haben die Hälfte des Hostelpreises gezahlt, hatten jeder ein privates Zimmer, ein eigenes Badezimmer und eine Menge Spaß beim Grillen und Volleyball mit den Gastgebern. ABSOLUT kein Vergleich zu dem stickigen und überteuerten Hostel.

5.) Gepäck beschränken
Nachdem ich mich in den letzten 8 Monaten einige Male mit meinem Rucksack gefühlt habe wie ein Packesel, werde ich das nächste Mal schlauer packen. Mitgenommen wird beim nächsten Mal: eine lange Jeans, eine kurze Hose, eine Jogginghose, ein Pulli, zwei Shirts, eine Regenhose, eine Regenjacke, Unterwäsche für eine Woche, ein Paar Laufschuhe. Punkt, fertig, aus. Okay, vielleicht noch einige Paar Socken. Mehr benötigt man nicht und wenn doch - man glaubt es kaum - wimmelt es hier nur von Geschäften, die dich damit ausstatten können. Doch vor Ort weißt du dann wirklich, was du benötigst und einen Waschsalon findest du spätestens jeden 10. Block (oder bei fast jedem airbnb/couchsurfing Gastgeber, selbst Hostels bieten einen Waschdienst).
Noch ein kleiner Tipp für alle Mädels - lasst Schminke zuhause. Es ist nicht nur, dass Schminken im Allgemeinen keinen Spaß macht; wenn ihr euren Auslandsaufenthalt richtig angeht werdet ihr a) keine Zeit haben euch zu schminken und euch b) hoffentlich mit Leuten umgeben, die es nicht im geringsten interessiert, wie ihr ausseht. Darauf kommt's hier einfach nicht an.

6.) Carabinerhaken mitnehmen
Widerspricht nun Punkt 5, aber während deiner Reise wird der Punkt kommen, an dem dein Rucksack voll ist und du trotzdem noch deine Winterjacke und ein paar Schuhe nicht unterbringen konntest. Ein, zwei Carabinerhaken und das Problem ist elegant gelöst. Wenn ihr gerade dabei seid, einen Carabinerhaken zu kaufen, besorgt euch gleich noch ein kleines Schloss, womit ihr in Hostels die Schließfächer abschließt. Dankt mir später für diesen Tipp.

7.) Eigenen Schlafsack mitnehmen
In Hostels sind eigene Schlafsäcke aufgrund von der Gefahr von Bed Bugs verboten, aber übernachtet ihr über Couchsurfing, Airbnb, etc werdet ihr das kleine Stückchen Geborgenheit zu schätzen wissen. Auch im greyhound ist ein Schlafsack Gold wert! In den letzten 8 Monaten habe ich in 22 verschiedenen Betten (und einigen greyhounds...) geschlafen - ein kleines Stück zuhause wäre da ganz schön gewesen.

8.) Mehr Milka Schokolade und Haribo als Gastgeschenk mitnehmen

Es gibt einige Läden in Kanada, die sowohl Milka als auch Haribo führen, aber die Preise dafür sind absolut unverschämt! Jeder Kanadier war begeistert von den unterschiedlichen Sorten Milka Schokolade, die ich mitgebracht habe und bei Haribo haben die Augen nur geglänzt vor Freude. Darüber hinaus nehmen diese Süßigkeiten wenig Platz im Rucksack ein und sind weder zu schwer noch zu teuer. Und wenn ihr hier ankommt, müde und voll im Jetlag, wird ein Stück Milka Schokolade das perfekte "comfort-food" sein. Versprochen.

Abschließend möchte ich noch betonen, dass ich zwar alle diese Dinge beim nächsten Mal anders machen würde, aber keine meine Entscheidungen dieser Reise bereue. Jede greyhound Fahrt hat mir unvergessliche Erfahrungen beschert und jede Fehlentscheidung hat mich dahin gebracht, wo ich hinsollte - letzten Endes bin ich immer da gelandet, wo ich hingehört habe. Damit kommt auch mein letzter Tipp:

9.) "Einfach mal drauf einlassen" und "Alles mitnehmen, was geht"
Kanada ist ein atemberaubendes Land mit den spektakulärsten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Wer mit offenen Augen und einem offenen Herzen durch dieses Land reist wird genau das erfahren. Es wird vieles, vieles, vieles schief gehen auf dieser Reise; doch die wunderbaren, zauberhaften, fantastischen, großartigen, außergewöhnlichen und vor Allem beispiellosen Momente werden diese ganzen Fehltritte wieder wettmachen. Ihr habt mein Wort!

Ich wünsche euch von ganzem Herzen die Zeit eures Lebens. Eure Svenja



Freitag, 10. Juli 2015

Edmonton, Kelowna, Victoria, Vancouver

                                                              Hallo allerseits,
entschuldigt die lange Schreibpause - wie die Überschrift schon vermuten lässt, waren wir fleißig am Reisen.
Nach dem WM-Spiel der Frauen ging es für Lars, Sverre und mich in Edmonton shoppen. Die West Edmonton Mall bestehend aus ca. 800 Läden, 26 Kinosälen, einem Freizeitpark, Spaßbad, Aquarium, Eishockeyfeld (natürlich, wir sind hier in Kanada!), einem künstlichen See und mehr als 110 Restaurants war, wie auch nicht, beeindruckend. Aber wenn ich überlege, was Kanada mir sonst in den 8 Monaten an beeindruckenden Dingen geboten hat, muss ich zugeben, dass ich nicht übermäßig begeistert war. Es ist und bleibt halt doch noch ein Shoppingcenter in gigantischen Ausmaßen. Edmonton war dennoch (alleine für das Fußballspiel, was meine Lieblingsattraktion in Edmonton war) eine Reise wert. Nach einigen Tagen haben wir uns dann aber doch in Edmonton gelangweilt. Woraus dann Lars absolute Hipster Frisur resultierte:


Weiter ging es dann nach Kelowna, was uns als die "Wüste Kanadas" angepriesen wurde. Die erste Nacht verbrachten wir im Hostel, welches mir ganz und gar nicht gefallen hat. Für einen horrenden Preis von 47 Dollar die Nacht pro Person gab es ein winziges, stickiges, heißes Zimmer inklusive merkwürdigem Mitbewohner. Und ich spreche dabei weder von Lars noch von Sverre... Am nächsten Tag ging es also zu unserer gebuchten Unterkunft, die wir über airbnb gefunden haben. Hier hatte Lars sein eigenes Zimmer und Sverre und ich ein gemütliches riesiges Bett. Mit den Gastgebern haben wir uns grandios verstanden, wurden zum Grillen und Volleyball spielen eingeladen, wir konnten ihre geräumige und saubere Küche nutzen, wir hatten einen Fußweg von 5 Minuten zum Strand UND das Ganze hat uns die Hälfte von dem gekostet, was wir für das Hostel bezahlt hatten. Ein absoluter Glücksgriff! Der Strand war unglaublich schön und wir haben zum ersten Mal so richtig vom kanadischen Sommer gekostet - herrlich! An einem Tag sollten die Temperaturen sogar bis zu 39 Grad hochgehen. Da blieb uns nichts anderes übrig als den ganzen Tag faul im Wasser rumzuliegen.



Auch wenn wir theoretisch für immer hätten hier bleiben könnten, mussten wir uns weiter Richtung Vancouver machen, von wo Sverres Flug am 1. Juli ging. Anlässlich seines 21. Geburtstages haben Lars und ich ihn dann nach Victoria verschleppt, wo ich eine Whale Watching Tour gebucht hatte. Alleine die Fährenfahrt von Vancouver nach Victoria war so schön - diesmal endlich bei richtigem Sommerwetter!




Die Whale Watching Tour war auch richtig, richtig spannend. Kaum vorstellbar, dass wir diesen riesigen Kreaturen so nah gekommen sind! Die Tour dauerte rund 3 1/2 Stunden und neben den Walen gab es auch einen wunderschönen Ausblick auf die wichtigsten Attraktionen Victorias:

government building
Fishermen's Wharf, Floating Boat Houses
breakwater
Und dann kamen die Orkas (Killerwale). Taktisch unklug haben Sverre und ich vor 4 Monaten noch "den Schwarm" (übrigens absolut empfehlenswert, klickt hier für weitere Infos) als Hörbuch gehört, welcher auch auf Vancouver Island spielt. Der Gedanke daran gab Gänsehaut! 




dieser Sprung war gar nicht mal so majestätisch wie man sich das so vorstellt... Aber bei einem Gewicht um die 6t muss das auch ganz schön anstrengend sein!
Direkt nach dem Whale Watching haben wir uns auf den Weg zu Sharka gemacht, mit der wir Sverres Geburtstag an der Hütte am See ausklingen lassen wollten. Leider war Sharka krank, sodass dieser Plan nicht in die Tat umgesetzt werden konnte. Am nächsten Tag hatte es dann Sverre erwischt, der sich dann schon aufmachen musste nach Vancouver, um wieder nach Hause zu fliegen. Am Tag darauf lag ich flach - und, wie sollte es anders sein, am Tag darauf blieb auch Lars im Bett. Der Virus war ziemlich hartnäckig und wir waren unendlich froh, dass wir diesen nicht in irgendeinem stickigen Hostel auskurieren mussten. Canada Day, ein groooooßer Feiertag hier, fiel somit ziemlich ins Wasser. Aber dank Sharkas grandiosem Balkon haben wir trotzdem das Feuerwerk in Victorias Hafen sehen können.



Sobald ich dann endlich wieder fit war ging es für mich zurück nach Vancouver, in die Wohnung mit Blick auf Meer und Skyline. Vancouver im Sommer ist noch heftiger als das letzte Mal als ich hier war - jeden einzelnen Tag gibt es hier Open Air Kinos, Festivals, Partys, Flashmobs, Flohmärkte, Demos, etc. Diese Stadt vibriert nur so vor Leben. Genau wie ich.
Fühlt euch umarmt und bis bald,
eure Svenja